6. November 2023

Payrollplus: Lohnabwicklung ganz einfach gemacht

Für KMU und Selbstständige sind Löhne und Sozialversicherungen eine leidige Sache. «Das muss nicht sein», sagte sich Edgar Weber. Er gründete die PayrollPlus AG und entwickelte eine Lohnplattform, die das hoch komplizierte Thema für alle komplett vereinfacht. Das Unternehmen floriert und soll sogar an die Börse.

von Claudia Hiestand

Edgar Weber war gerade mal 22 Jahre alt, als er sein erstes Unternehmen gründete. Unter dem Name n Fair-Play Personalberatung vermittelte der gelernte Kaufmann ab 1989 erfolgreich Personal. Schon früh lernte er: Der Kunde will es einfach und unbürokratisch. Eine Einsicht, die später die eigentliche DNA seines zweiten Unterneh-mens sein würde. Jobbedingt eignete sich Weber zudem viel Wissen über Arbeitsrecht und Sozialversicherungen an. Auch das würde sich später als gewinnbringend herausstellen.

Bessere Absicherung für Freelancer

2015 erkannte Weber: Immer mehr Freelancerinnen und Freelancer drängen auf den Arbeitsmarkt. Da sie nicht im herkömmlichen Sinne angestellt sind, stellte sich die Frage der Verantwortlichkeit in Sachen Sozialversicherungen. «Die wenigsten von ihnen kennen sich damit aus und vernachlässigten deshalb ihre soziale Absicherung», weiss Weber. Aus dieser Erkenntnis heraus gründete er in Pfäffikon die PayrollPlus (siehe Box). Weber hatte sich inzwischen zu einem regelrechten Payroll-Spezialisten gemausert. Mit Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie Arbeitsverträgen kannte er sich bestens aus.

Aus Personalbüro wird Techfirma

Der klassische Personalverleih wurde von einem Techunternehmen abgelöst, das neue und flexible Anstellungsmodelle für Freiberuflerinnen und -berufler entwickelte sowie sicherstellte, dass diese korrekt versichert waren. 2018 lancierte Weber die schweizweit erste und bislang einzige digitale Lohnplattform für Freelancer, vier Jahre später folgte ein äquivalentes Modell für KMU und Start-ups. Weber: «Mein Ziel ist es, sie alle von der lästigen Administration rund um Löhne, Versicherungen und AHV zu befreien.»

So funktioniert PayrollPlus

550 000 Firmen gibt es in der Schweiz. Sie alle müssen Löhne abwickeln, eine Aufgabe, die Zeit, Geld und Nerven kostet. Mit ihrer digitalen All-in-one-Lohnplattform revolutioniert PayrollPlus den gesamten Lohnauszahlungsprozess. Anstatt die Löhne von Mitarbeitenden und Freischaffenden selbst zu bearbeiten und auszuzahlen, überweisen Firmen die Gesamtlohnkosten an PayrollPlus. Die Lohnkosten inklusive Abzüge können sie zuvor mit einem eigens entwickelten Onlinetool auf der Website von PayrollPlus mit wenigen Klicks berechnen. Sind die Gesamtlohnkosten überwiesen, zahlt PayrollPlus die Löhne aus und kümmert sich um AHV, Pensionskasse, Unfallversicherung, Krankentaggeld, Kinderzulagen, Quellen- und Mehrwertsteuer. Wer dabei mit wem in einem Arbeitsverhältnis steht und ob Stunden-, Tages- oder Monatslöhne beziehungsweise Pauschalbeträge ausbezahlt werden, spielt keine Rolle.

Vom Vater inspiriert

Die Entwicklung von PayrollPlus ist beachtlich, die Geschäftszahlen verdeutlichen es: In seinem ersten Jahr generierte das Unternehmen einen Umsatz von 6 Millionen Franken, heute sind es bereits 180. Das Wachstumspotenzial liegt im Milliardenbereich. Der Erfolg des Unternehmens ist jedoch nicht allein einer guten Geschäftsidee geschuldet, sondern auch Webers Persönlichkeit. Der 56-Jährige hat eine bemerkenswerte innere Antriebskraft. «Ich liebe es zu arbeiten», sagt er dazu. Von ungefähr kommt das nicht. In seinem Vater hatte er ein Vorbild: 52 Jahre lang fuhr Josef Weber jeden Tag von Lachen nach Zürich Wiedikon, wo er seinen eigenen Herrencoiffeursalon betrieb. «Mein Vater beschwerte sich nie», erinnert sich Edgar Weber, «im Gegenteil, er ging seinem Beruf mit viel Leidenschaft nach.» Die gleiche Leidenschaft fliesst auch durch Edgar Webers Adern. Zudem hat er Biss, antrainiert in den Jahren als Amateurspitzensportler. «Dort lernte ich, durchzuhalten, mich auf langfristige Ziele zu konzentrieren und meine Leistung ständig zu analysieren und zu verbessern.»

Die Schwierigkeit der Einfachheit

Zurzeit sind 4000 Lohnempfänger PayrollPlus angeschlossen. Webers Ziel sind 100 000, was rund 25 000 Firmen entspricht. Obwohl das Modell von PayrollPlus einfach und überzeugend ist, erweist sich die Akquise von KMU-Neukunden als harzig. Zwei Hürden stehen Weber im Weg. Die erste: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Weber: «Viele winken ab mit der Begründung, es gehe ja schon irgendwie.» Die zweite: PayrollPlus ist dermassen simpel, dass potenzielle Kundinnen und Kunden mit Skepsis darauf reagieren. «Es ist grotesk», hält Weber händeringend fest. «Egal, wo ich unser Geschäftsmodell vorstelle, es löst Begeisterung aus, wird beim nächsten Atemzug aber gerade seiner Einfachheit wegen infrage gestellt. Die Leute können nicht glauben, dass Lohnabwicklung so unkompliziert ablaufen kann.»

Einzelkämpfer mit Börsenambitionen

Eine der grössten Herausforderungen bleibt für Weber deshalb, Unternehmerinnen und Unternehmer von seinem Geschäftsmodell zu überzeugen. Helfen würde Kon-
kurrenz, ist er sich sicher. «Ich bin allein auf weiter Flur, Nachahmer gibt es nicht. Dabei wäre es für den Markt gut, von mehreren seriösen Anbietern bearbeitet zu werden.» Daneben sieht sich Weber mit denselben Risiken konfrontiert, die jedem Unternehmer heutzutage Bauchschmerzen bereiten: Cyberkriminalität, Stromausfall und Gesundheitskrisen. Wenn er ehrlich ist, denkt er aber viel lieber darüber nach, das Wachstum der Firma voranzutreiben. Weber hat Grosses vor: Er plant den Börsengang. Ein Schritt, der ihm – davon ist er überzeugt – zu mehr Sichtbarkeit verhelfen und die Glaubwürdigkeit der Firma erhöhen wird.

Quelle: Impuls – Das Schwyzer Wirtschaftsmagazin, 3. November 2023, S. 4 – 5