11. November 2025
CSEM: Der Kanton Schwyz erhält einen neuen Forschungshub
11Ab 2026 bringt eines der führenden Schweizer Innovationszentren modernste Robotik- und KI-Technologie nach Schwyz. Der neue CSEM-Standort öffnet den Unternehmen im Kanton darüber hinaus den Zugang zum gesamten Technologie-Portfolio der Forschungseinrichtung.
von Daniel Schriber
Wir treffen Vincent Revol und Mario Russi in einem Sitzungszimmer an der Bahnhofstrasse in Schwyz. Noch deutet an dem unscheinbaren Bürogebäude nichts darauf hin, dass an diesem Ort ab dem kommenden Jahr angewandte Forschung auf höchstem Niveau betrieben werden soll. Schon bald jedoch wird hier ein Team von Ingenieurinnen und Ingenieuren an Robotik- und KI-Lösungen arbeiten, die Unternehmen aus der ganzen Region und darüber hinaus nutzen können.
CSEM gibt es seit 40 Jahren. «Unser Kernauftrag ist es, eine Brücke zwischen Forschung und Industrie zu schlagen», erklärt Vincent Revol, Mitglied der Geschäftsleitung. Als Beispiel nennt er die Kooperation mit der Uhrenmarke Tissot: Für deren Smartwatches entwickelte CSEM eine Photovoltaikzelle, die die Batterie lädt; ein Projekt, das 100 neue Arbeitsplätze schuf. Jährlich arbeitet CSEM mit rund 230 Industriekunden zusammen. Kommt ein Unternehmen mit einer Idee, prüft CSEM zuerst, ob es nicht schon eine kommerzielle Lösung gibt – konkurrenzieren will man nicht. «Unser Ziel ist es, Schweizer Unternehmen zu befähigen, nicht zu verdrängen.»

Schwyz wird die bestehenden Standorte gezielt ergänzen
Der neue Standort in Schwyz geht auf eine Anfrage des Kantons zurück (siehe Box). Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die Innovationskraft der Region zu stärken, bestehende Unternehmen zu unterstützen und Neuansiedlungen zu fördern. Für Revol fügt sich das gut ins Bild: «Wir pflegen bereits seit 25 Jahren eine enge Partnerschaft mit den Zentralschweizer Kantonen.» Mit seinem Standort in Alpnach hat CSEM in der Region bereits ein Standbein, Schwyz solle dieses nun gezielt ergänzen. Neben dem Fokus auf KI und Robotik eröffnet es den Unternehmen der Region den direkten Zugang zur ganzen Welt von CSEM – mit all seinen Kompetenzen durch die rund 630 Mitarbeitenden sowie 200 Patentfamilien. Mario Russi, der die Gruppe am neuen Standort leiten wird, ist in Altdorf aufgewachsen und freut sich, quasi vor der Haustür die Zukunft der Industrie mitprägen zu können: «Ich bin mit der Region verwurzelt und stolz, hier nun auch beruflich etwas bewirken zu können.»
Robotik für die Fabrikhalle und die Baustelle
Während an den anderen Standorten Themen wie Mikrotechnik, Sensorik, «Internet of Things» oder nachhaltige Energie dominieren, liegt in Schwyz der Fokus auf der Verbindung von KI mit Robotik. «Wir geben KI sozusagen einen Körper und befähigen sie, mobil und adaptiv zu sein», erklärt Russi. Ein Schwerpunkt liegt in der soge-
nannten «High-Mix-/Low-Volume»-Produktion, wie sie in vielen KMU üblich ist: flexible Robotiklösungen, die zum Beispiel Automatisierung und Qualitätsprüfungen kombinieren. Ein Anwendungsfeld könnte die automatisierte Handhabung von Teilen sein, die nach dem letzten Produktionsschritt automatisch gegriffen, geprüft, dokumentiert und verpackt werden. Darüber hinaus stehen auch Robotiklösungen für «Dirty, Dull & Dangerous»-Aufgaben im Fokus, Arbeiten also, die schmutzig, monoton oder gefährlich sind. Dazu zählen autonome Materialtransporte wie etwa auf Baustellen oder in Tunnels, mobile Inspektionsroboter für schwer zugängliche Anlagen sowie Systeme, die Baufortschritte automatisch erfassen und mit digitalen Plänen abgleichen.
Kanton und Gemeinde Schwyz sind mit im Boot
Das 1984 gegründete Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) ist ein öffentlich-privates, nicht gewinnorientiertes Innovationszentrum mit Sitz in Neuen-
burg. Über 630 Mitarbeitende entwickeln an den bisherigen sechs Standorten Technologien in Bereichen wie Digitalisierung, Robotik, KI, Präzisionsfertigung und nachhaltiger Energie. Mit der Eröffnung eines weiteren CSEM-Standorts in Schwyz will der Kanton seine Innovationskraft stärken und einen Technologie-Hub mit regionaler und nationaler Ausstrahlung schaffen. Er investiert dafür jährlich 1,4 Millionen Franken bis 2033, die Gemeinde Schwyz steuert 100 000 Franken pro Jahr bei.
Neue Arbeitsplätze dank technologischer Innovation
CSEM arbeitet eng mit der Hochschule Luzern und der Ostschweizer Fachhochschule zusammen, um Talente zu fördern und praxisorientierte Projekte voranzutreiben. Studierende können im Rahmen von Arbeiten oder Praktika mitwirken, Unternehmen wiederum profitieren von der industriellen Erfahrung der CSEM-Teams. «Die Technologien, die wir hier entwickeln, sollen nicht im Labor bleiben. Sie sollen in Schwyz und darüber hinaus Wertschöpfung schaffen», betont Russi. Mit der Ansiedlung sende der Kanton Schwyz ein klares Signal: «Innovation gehört ins Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung.» Gerade im Kontext von Fachkräftemangel und internationalem Wettbewerbsdruck seien solche Leuchtturmprojekte entscheidend. «Wir wollen einen Beitrag leisten, dass im Kanton Schwyz neue, hochwertige Arbeitsplätze entstehen», ergänzt Revol.
Ein neuer Technologie-Hub auf dem Zeughausareal
Übrigens: Das eingangs erwähnte Bürogebäude an der Bahnhofstrasse Schwyz soll nur ein vorübergehender Zwischenstopp werden. Auf dem Zeughausareal unweit des Bahnhofs Schwyz wird der Standort langfristig sein Zuhause finden, mit modernen Labors, Büros und Flächen für Workshops und Demonstrationen. Der zukünftige Technologie-Hub ist aber nicht nur für die zehn bis zwölf CSEM-Mitarbeitenden gedacht, sondern auch für den Austausch mit Unternehmen, Hochschulen und Start-ups. Dadurch soll das Zeughausareal zu einem Ort werden, von dem zukunftsweisende Technologien in die Region und weit darüber hinaus getragen werden.
Quelle: Impuls – Das Schwyzer Wirtschaftsmagazin, 29. Oktober 2025, S. 18 – 19